Arnd Gatermann  |  www.arnd.de


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Glosse























"Bis zum letzten Mann..."

Der Schlüssel zum Erfolg heißt heute NiMH: Nickel-Metall-Hydrid-Akku.1500 mAh -mindestens! Vorbei die Zeiten, als man zum Diplom einen Terminplaner im ledernen Einband geschenkt bekam und diesen -schwergewichtig- als Ausdruck termingeplagter Professionalität auch schon während der Probezeit ständig mit sich herumtrug. Es hat sich viel verändert. Das obligatorische Handy, die Digitalkamera und der Handheld-PC als elektronischer Terminplaner mit integrierter Adressen- und Aufgabenliste gehören heute zum selbstverständlichen Outfit. Jedes der elektronischen Dinge ein Wunderwerk in sich und ungemein praktisch. Wäre da nicht das Problem der Stromversorgung. Während zuhause alle elektronischen Gerätschaften über Steckdosenleisten mit mehr oder weniger klobigen Netzgeräten versorgt werden, begibt man sich in die pure Wildnis, sobald man das Haus verläßt:
Ist der Akku des Handies aufgeladen? Wird der elektronische Terminplaner nicht




schlappmachen, wenn man in einer Besprechung neue Termine eintragen will? Was ist mit der Stromversorgung der Digicam, wenn Umgebungsfotos vom Grundstück gemacht werden sollen? Jeder Morgen ein Gang in die Wüste - was dem Trapper die Wasserflasche, bedeutet dem Yuppie der Ladezustand seiner Akkus. Nur nicht morgens in die urbane Wildnis hinaustreten ohne die nötigen Amperestunden für die Bits und Bytes des digitalen Alltags. Verloren sind hier die Laien, die den 500 mAh von NiCD-Akkus trauen, zu nachtschlafener Zeit 14 Stunden in halbleerem Zustand mit dem Laderät aus dem Sonderangebot aufgeladen... der Memory-Effekt läßt schön grüßen, und die Aufgaben des Tages in einem Desaster enden, wenn man im Stau steht, seine drohende Verspätung dem Bauherrn nicht mehr über den Äther mitteilen kann und der Folgetermin auf dem Handheld-PC mangels Saft ohnehin nicht mehr angezeigt wird.





Der vorangegangene Baustellenrundgang war sowieso schon eine Pleite, weil die digitale Kamera bei der Dokumentation das durchgestrichene Batteriesymbol zeigte, und den Dienst quittierte. Vom leeren Diktiergerät ganz zu schweigen. Abends dann schnell nach Hause, das Handy an's Netzgerät... -verdammt, im Büro gelassen- und die Akkus im neuen Schnellladegerät automatisch entladen und in zwei Stunden wieder auf volle Leistung gebracht. Man kommt sich vor wie John Wayne, der nach langem Ritt entspannt den Gürtel mit dem Colt ablegt, die Stiefel hochlegt, und die Trommel des Revolvers mit neuen Patronen spickt. Apropos Gürtel -ein Gürtel mit einer Reihe von Ersatzakkus wäre ein ungemein praktisches Utensil für den harten Alltag, als trendsettendes Outfit zum Ausdruck digitaler Potenz. Heute ist nicht die Frage, wer schneller zieht, sondern wessen Akkus länger halten...



Veröffentlicht in der Architektur-Zeitschrift
Bauwelt am 3.12.99